Samstag, 3. Januar 2009

Bei Wind und Wetter

bei Wind und Wetter


Welch ein Glueck, dass wir nach diesen entbehrungsreichen 6 Wochen knochenharter Arbeit endlich die Zeit gefunden haben euch von dieser durchaus praegenden Zeit unseres Lebens zu berichten. Der interessanteste Teil gleich vorweg: Die Arbeit! Allgemeine Informationen: Wie ihr euch vielleicht erinnert, haben wir vor 7 Wochen auf einem Weinberg auf Saturna Island angefangen, einer 350-Einwohner-Insel mit circa 90% Rentnern. Der Weinberg besteht aus 4 grossen Weinfeldern und birgt 6 unterschiedliche Rebsorten: Chardonnay, Pinot Gris, Gewuerztraminer, Merlot, Pinot Noir und Pinot Menier. Unsere Chefs waren ein junges Paerchen aus Suedafrika, mit denen wir uns ausgesprochen gut verstanden und betrunken haben. Ausser uns arbeiteten noch eine staendig differierende Zahl an Menschen aus aller Welt auf den Weinfeldern. So machten wir Bekanntschaft mit Australiern, Franzosen, Mexikanern und natuerlich Kanadiern. Besonders am Herzen lag uns der Quebecuois Jean-Sebastien, eine Frohnatur durch und durch. Nach der morgendlichen Plauderstunde unterhielt er uns im Laufe des Tages mit franzoesischen Kinderliedern und Operetten oder wahlweise auch mit lehrsamen Geschichten aus seinem Leben und ueber das Wetter. Widerworte haben wir uns nicht erlaubt, denn wir hatten Angst vor seinem monstroesen Daumenfingernagel. Unsere Theorie lautet, dass er mit seiner Daumenschaufel einen schweren Mord begangen hat und dann seinen Namen gewechselt hat, um in British Columbia unterzutauchen. Vermutlich ist er nicht einmal franzoesisch- kanadischem Ursprung, da keinen hoerbaren franzoesischen Akzent vorweisen konnte. Doch wir hielten uns tapfer und ignorierten ihn so gut es ging.

Wir hatten die Ehre nahezu alle Teilbereiche der Arbeit auf einem Weinberg kennenzulernen und das bei jeder denkbaren Wetterlage. Aufgabe Nummer 1: Ernte – Ausgestattet mit einem Klipper und einem Eimerchen bahnten wir uns den Weg durch die endlos langen Reihen voller praller Trauben und sackten so viele ein, wie wir tragen konnten. Damit ging aber noch eine andere, weniger angenehme Aufgabe einher, das Hoch- und Herunterrollen der laestigen Anti-Vogel-Netze, die wohl aetzendste Beschaeftigung, die man sich bei stuermendem Regen vorstellen kann. Darauf folgte richtige Maennerarbeit: Mit Haemmern und anderen gefaehrlichen Werkzeugen bewaffnet erklaerten wir den ueberfluessigen Naegeln in den weinstuetzenden Pfosten den Krieg! Natuerlich haben wir gewonnen,is klar. Kurz darauf erwartete uns die Aufgabe die Weinreben fuer die naechste Saison zu praeparieren. Soviel dazu. Unsere Arbeit wurde ohne Ausnahme an der frischen Luft veruebt und wir waren somit Petrus und seinen Launen hilflos ausgesetzt. Den einzigen Schutz fanden wir in selbstgebastelten Regenkleidern aus schwarzen Muellsaecken. Die Saturna Island Regen Kollektion ist ab sofort im Handel erhaeltlich. Ab und zu haben sich allerdings auch die dicken Regenwolken, die tief im Inseltal hingen, verzogen und liessen ein paar Sonnenstrahlen durchblitzen.

Wo so viel gearbeitet wird, darf auch das Vergnuegen nicht fehlen. Und davon gabs auf der Insel nicht allzu viel. Also haben wir alle 2 Wochen unsere Rucksaeckchen gepackt und sind geflohen. Die erste Fluechtlingsstation war Vancouver, wo Angelika uns wieder aufpaeppeln musste. Gestaerkt machten wir uns frohen Mutes auf den Weg zurueck nach Saturna Island. Aber wir waeren nicht Louise und Renee, wenn uns nicht wieder etwas in die Quere gekommen waere. Auf den letzten Druecker kommen wir an der Vancouver Faehrstation an und schaffen es gerade noch rechtzeitig unseren Koffer aufzugeben, als wir nach oben stuermen(selbstverstaendlich in die falsche Richtung) und uns das TUUT TUUUT verraet, dass es bereits zu spaet ist. Da standen wir nun, mutterseelenallein und winkten unserem Koffer zu, der sich schon auf dem Weg zu den Gulf Islands befand, samt unseren Reisepaessen und anderen wichtigen Dokumenten. Dank hilfreichen Servicepersonals ging die abenteuerliche Nicht-Reise doch noch gut aus.

Wieder 2 Wochen spaeter rueckte Louises 20. Geburtstag auf einmal unheimlich nahe. Saturna erschien uns kein geeigneter Ort fuer eine berauschende Party, also entschieden wir uns, unseren Freunden in Victoria mal wieder einen Besuch abzustatten. Highlight der Veranstaltung war der See aus Sushi, den Louise spendiert hat und in dem man foermlich baden konnte. Zum neuen Lebensabschnitt gabs dann auch noch ne neue Haarfarbe in sattem Braun – Frisoese Renee hat ganze Arbeit geleistet.

Doch auch auf der kleinen Insel liessen wir keine Moeglichkeit aus dem Arbeitsalltag zu entfliehen. Ob Pizzaparty mit Chefs und Kollegen oder Sushiparty – der Wein war ein staendiger Begleiter, irgendwelche Vorteile muss einem die Berufswahl ja verschaffen. Der kroenende Abschluss nach geschaffter Arbeit nannte sich ganz unverhohlen Saufparty mit Unmengen Tequila, Gin, Wein und anderen Spirituosen, deren Namen wir vergessen haben. Zu unserer grossen Freude hat es an besagtem Abend grosse Flocken geschneit und wir konnten wie kleine Kinder im frisch gefallenen Schnee toben. Der naechste Morgen allerdings brachte die grosse Ernuechterung: Wir waren eingeschneit und es bestand vorerst keine Aussicht den Weinberg mit dem Auto zu verlassen. Denn der einzige Weg fuehrte ueber eine Privatstrasse voller windiger Kurven entlang eines steilen Berges, so dass selbst Traktoren und Streumobile einen grossen Bogen um diese Strasse machen. Uns blieb uns also nichts anderes uebrig als mit Sack und Pack die beschwerliche Reise zur anderen Seite der Insel zu Fuss anzutreten. Auf diesem Trip leisteten uns Danny und Megan als unsere Wegbegleiter Gesellschaft, denn sie erwarteten schon sehnsuechtig ihren Flug nach Suedafrika am naechsten Tag.

Doch was sollten wir die ganzen naechsten Tage auf dieser gottverlassenen Insel machen, solange unser Auto noch in Schneemassen begraben lag? Ohne Arbeit war uns einfach langweilig, wer haette das gedacht. Also brachen wir wieder einmal auf nach Victoria um die Zeit fuer ein bisschen Christmasshopping zu nutzen und die weihnachtlich geschmueckten Gassen zu bewundern. Die Tage bis zum heiligen Abend schienen nur so dahinzufliegen und wir mussten uns langsam Gedanken machen, wie wir wieder in Besitz unseres Autos kommen. Die globale Erwaermung liess immer noch auf sich warten und das Wetter wurde als kaeltester Winter Kanadas seit 40 Jahren proklamiert. Doch furchtlos und unerschrocken haben wir uns zurueck auf die schneereiche Insel begeben um unser Auto zu befreien. Vorort mussten wir feststellen, dass sich am Zustand der Strasse nichts geaendert hat. Doch wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Mit dem Hinweis, so schnell wie moeglich den Berg hochzufahren, drueckte Louise das Gaspedal mit voller Kraft – das ging auch gut bis wir die verhaengnisvolle Kurve erreichten und Louise auf einmal die Kontrolle auf dem rutschigen Schnee verlor und wir ins Schleudern gerieten. Die ganze Geschichte endete dann ungluecklicherweise im Graben. Wir hatten aber auch wieder Glueck im Unglueck und zwei Mitarbeiter vom Weingut machten es sich zur Aufgabe uns dort wieder herauszuziehen. Nach mehreren erfolglosen Versuchen, haben die beiden es dann letztendlich geschafft uns mit einem Traktor und einer schweren Eisenkette wieder auf die richtige Bahn zu bringen. Und so kamen wir heil in Vancouver an, mussten aber feststellen das auch hier Frau Holle kraeftig ihre Betten ausgeschuettelt hat.
Doch natuerlich ueberkam uns Sorge um unser Autochen uns ob es auch keinen Schaden aus der Begegnung mit dem Graben gezogen hat, also begaben wir uns schnellstmoeglich zur naechsten Werkstatt um dem Schaden auf den Grund zu gehen. Wenig spaeter erreichte uns die Hiobsbotschaft: Unser treues Gefaehrt ist nicht in der Lage, uns sicher bis nach Toronto zu bringen. Kostenvoranschlag: 1500 Dollar – unbezahlbar. Der Kompromiss fiel wie folgt aus: Nur die notwendigsten Reparaturen wurden vorgenommen und unser Trip nach Toronto verschoben, nicht aufgehoben! Kanada wird uns also im Sommer wieder begruessen duerfen, damit wir unser Ziel verwirklichen koennen.

Doch erst einmal stand Weihnachten vor der Tuer. Natuerlich wurden zwei so liebreizende Maedchen wie wir zu etlichen gesellschaftlichen Ereignissen rund um das Fest der Feste eingeladen. Am 24. Dezember veranstaltete Angelikas und Bernds Sohn Thilo eine Christmasparty und am Abend darauf luden dessen Schwiegereltern zum traditionellen Truthahnessen ein. Eigentlich werden die Geschenke in Kanada erst am Morgen des 25. geoeffnet, doch wir durften schon am Heiligabend unter den Weihnachtsbaum lugen, nur die Socken wurden erst am naechsten Morgen ausgewertet. Dann blieb uns ein Tag Pause um die ganzen leckereien zu verdauen, da hat Angelika am 27. Dezember 2 dicke Gaense auf den Tisch gebracht (die dickere Gans war Louise).
Und auf einmal sahen wir uns schon dem neuen Jahr gegenueber und zelebrierten die Nacht auf die kanadische Art mit vielen Freunden. In diesem Sinne wuenschen wir euch allen ein wunderbares, grandioses, spektakulaeres, gesundes, erfolgreiches, atemberaubendes, vielversprechendes und einfach perfektes Jahr 2009!

Unser Vorsatz: Vielleicht oefter mal nen Blog schreiben ;)

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Yeahhhh !
Euch auch ein gesundes und weiterhin aufregendes Jahr 2009!
liebe Grüße :)

Anonym hat gesagt…

Viel Glueck euch beiden im neuen Jahr, Ideenreichtum, ein dickes Paket Gesundheit und immer die Kraft und den Willen, sich den Problemen zu stellen. Meistens seid ihr ja Glueckspilze, aber ein bisschen Pech gehoert eben im Leben dazu. Um das alles zu erfahren, habt ihr euch ja auf ein solches Abenteuer eingelassen. Ihr schafft das schon. Allerliebste Gruesse - die Maaami

Anonym hat gesagt…

Alles guten im neuen Jahr.
Die Bilder sehen gut aus,
Noch viel spass bei der Arbeit und eueren Reisen.
Renée Flaschen auf einem Tisch habe Ich öfter gesehen

Anonym hat gesagt…

jaja allet jute wa ? bald zurück wie man vernimmt ^^ kann da nicht kommen hab uni so wie die meisten wahrscheinlich :x gebt mal ne willkommensparty spätnachts da bin ich dabei :D
wir sehen uns leo